ANNOTs Sohn Frank Arne, porträtiert von seinem Vater Rudolf Jacobi, datiert 1971

Neues Gemälde in der Sammlung: Ein Porträt des Anfang Vierzigjährigen Frank Arne.

Das Porträt eines Mannes in mittleren Jahren, angefertigt von Rudolf Jacobi, datiert auf das Jahr 1971. Signatur und Datierung befinden sich am linken oberen Bildrand. Klassisch im Bildzentrum präsentiert er den Gemalten, offenbar sitzend vor einer großen tropischen Pflanze, entweder eine Zimmerpflanze oder einem Gewächs, das sich auf einer Terrasse befindet, zumindest deutet der diffus, in groben Pinselstrichen gehaltene bläulich-braune Hintergrund auf Wände hin. Wahrscheinlicher ist die Variante der Zimmerpflanze, da das Porträt in München entstanden sein muss, im Jahr vor Rudolf Jacobis Tod (er stirbt am 21.Dezember 1972 in München). Bei der Pflanze handelt es sich möglicherweise um eine „Große Dieffenbachia“, das würde auch dem Humor der Familie Jacobi entsprechen.

Bei dem Porträtierten handelt es sich mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit um den Sohn von Annot und Rudolf: Frank Arne Jacobi (Architekt). Am 22.September 1928 in Berlin geboren, wäre bzw. ist er auf dem Bild Dreiundvierzig Jahre alt oder befindet sich im dreiundvierzigsten oder bereits im vierundvierzigsten Lebensjahr. Er trägt einen braun-beigen, groß-karierten Anzug, der grob und flächig angedeutet wird, durch wenige Pinselstriche konturiert, dazu eine gelb-bräunlich gestreifte Krawatte über einem weißen Hemd, dessen Weiß im unteren Bildteil sogar auf die Leinwand gespachtelt wurde. Auch die Pflanzenblätter sind in kürzester Zeit auf die Leinwand gefegt. Anders verhält es sich mit dem Gesicht, dem Bildzentrum, das detailliert dargestellt ist, von meisterlich gekonnten farblichen Abstufungen lebt, wiederum eingerahmt in eine flächig gehaltene Haar- und Bartpartie. An Anzug und Frisur lässt sich, auch unabhängig von der Datierung, deutlich die Mode der 70er-Jahre ablesen.

Der (sehr wahrscheinliche) Frank Arne ist in leichtem Dreiviertelprofil porträtiert, das Gesicht wirkt durch den Bart schmal, die Wangen deuten für sich betrachtet auf ein Gesicht, das ohne Bart etwas rundlicher wäre. Das insgesamt noch volle rötliche Haar zeigt Geheimratsecken, der blond-rötliche Bart unterstützt in Kombination mit dem Anzug den schon erwähnten 70er-Jahre-Look. Die blauen Augen unter den zarten Augenbrauen mit den angedeuteten Falten, den sich durch winzige farbliche Details leicht abzeichnenden Tränensäcken, zeugen vom mittleren Alter des Abgebildeten, der den Blick auf eine für den Betrachter nicht sichtbaren Punkt im Raum richtet. Die Nase ist schmal und scharf, eine dunklere Farbstelle am oberen Nasenbein könnte auf die Druckstelle einer Brille hinweisen, die zuvor abgenommen wurde. Der schmale Mund, unter den hier im Schnurbartbereich blonden Barthaaren, ist leicht geöffnet, die roten Lippen bilden einen starken Kontrast zu den weißen Zähnen, die aus einer kleinen Aussparung des weißen Leinwandgrunds bestehen. Über das sichtbare rechte Ohr wölbt sich Haar, Koteletten sind angedeutet, die Frisur komplettiert damit das modische Erscheinungsbild bei genauer Betrachtung auch im Detail. Ein kopfgroßes Blatt der exotischen Zimmerpflanze hängt keck über der linken Schulter, verdeckt sie mit der Blattspitze. Eine gewisse Pflanzenliebe zu zeigen bzw. eine Inszenierung in exotisch oder unkonventionell anmutender Atmosphäre ist offenbar beabsichtigt. Auf den ersten Blick würde man den Ort des Porträts nicht in München vermuten. Atmosphärisch soll das Gemälde möglicherweise an Costa Rica erinnern. Zeigt sich hier auch ein gewisses Fernweh von Rudolf im Alter? Das Reisen nicht mehr zulässt?

Rudolf und Annot sowie offenbar auch Sohn Frank Arne scheinen jedenfalls die tropische Flora gemocht zu haben. Es existiert eine Fotografie von Annot in ihrem Münchener Schlafzimmer im Jahre 1981, bei dem ein Bild mit Palmenwald, darin ein Häuschen (ebenfalls ein Gemälde von Rudolf?) direkt über dem Kopfende ihres Betts hängt. Gleichfalls an der Wand der Kopfseite des Bettes, etwas weiter rechts oben ist, neben anderen Gemälden und Fotos, dieses Porträt von Frank Arne in einem Goldrahmen über einem darunter befindlichen Vitrinenschrank zu sehen. Es ist nicht komplett sichtbar, da aus der Perspektive des Objektivs zu etwas mehr als einem Viertel vom weißen Schirm einer Stehlampe verdeckt. Diese fotografischen Zeugnisse weisen nicht nur auf die Begeisterung der Familie Jacobi, oder zumindest die Begeisterung von Rudolf und Annot, für tropische Flora hin, die sie bis ins Schlafzimmer begleitet, sondern die Platzierung dieses Porträts in Annots Münchener Schlafzimmer im Jahre 1981, kurz vor ihrem Tod, weist das Porträt zu fast hundert Prozent als Porträt des Sohns Frank Arne aus. Ein beliebiges Porträt würde niemals in einem Goldrahmen im Schlafzimmer, sogar nahe dem Bett, einer hochbetagten, den Tod erwartenden Person hängen.

Die Familienähnlichkeit ist dazu unverkennbar. Die Augenpartie, Mund, auch Nase und Wangenknochen erinnern stark an Annot. Die leichte Rötung der Wangen weist den Porträtierten als genussfreudigen Menschen aus, der gerne zu einem guten Gläschen Wein grieift und keinen Bogen um deftige Mahlzeiten macht. Der offene, zielgerichtete Blick erinnert ebenfalls an Annot. Hier ist eine Person dargestellt, die weiß, was sie will, dem Leben offen und unerschrocken begegnet, mit Selbstbewusstsein und Temperament. Die Wahl der Kleidung zeugt von einer gewissen Bürgerlichkeit. Der leicht geöffnete Mund deutet auf einen gesprächigen, geselligen Menschen hin, der Gesichtsausdruck insgesamt auf einen humorvollen Charakter. Vergleiche des Porträts mit Fotografien von Frank Arne führen ebenfalls zu dem Schluss, dass es sich hier um keinen anderen handeln kann, auch wenn die gefundenen Fotografien Frank Arne entweder zwanzig Jahre jünger oder 10 Jahre älter zeigen.

Die Bildmaße sind auf der Rückseite am Rahmen notiert: 62 x 46 cm


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